Dein eigenes Selbstbild


Das wichtigste Objekt deiner Aufmerksamkeit und Pflege muß dein persönlichen Selbstbild sein. Es ist außerordentlich wichtig, dass du ein intaktes und durchweg positives Bild von dir selbst hast. Mit diesem Selbstbild ist die Gesamtbewertung gemeint, die jeder Mensch von sich selbst hat. Diese individuelle Selbstbewertung hat zunächst einmal nichts damit zu tun, wie man von anderen Menschen wahrgenommen wird. Im Kern besteht dein Selbstbild aus nichts anderem als einem Paket von Glaubenssätzen über dich selbst, die du akzeptierst hast und die du für wahr hältst. Das Selbstbild hat einen maßgeblichen Einfluß auf deine emotionale Verfassung, dein Wohlbefinden, dein eigenes Verhalten und dein äußeres Erleben. Deswegen ist es von größter Wichtigkeit die Glaubenssätze, die du über dich selbst hast, positiv auszurichten und konfliktfrei zu halten. Dich selbst schädigende Konflikte treten immer dann auf, wenn die von dir erwünschten Eigenschaften nicht mit deinem gegenwärtigen Selbstbild übereinstimmen, und du außerstande bist, diesen Konflikt zu lösen.

Den Wunsch anders zu sein, als wir sind, hatte vermutlich schon jeder von uns einmal verspürt. Grundsätzlich ist das möglich. Die Auffassung, dass es durch unsere Gene oder gar durch Vererbung festgelegt wurde, wie wir charakterlich sind, ist völliger Blödsinn. Jeder Mensch entscheidet durch sein eigenes Denken und durch die Auswahl der eigenen Glaubenssätze selbst über die Ausrichtung seines Charakters. Und weil jeder Mensch in der Lage ist, seine täglichen Gedanken zu ändern, ist auch Jeder dazu befähigt, sich selbst und seine Charaktereigenschaften zu ändern. Das ist eine ganz grundsätzliche Wahrheit, die du nie vergessen solltest.


Wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, entsteht aus unseren Gedanken. Du wirst morgen sein, was Du heute denkst.       Buddha


Oftmals stammen akzepierte Glaubenssätze noch aus der Kindheit. Da sie stets als zutreffend in der Außenwelt erlebt wurden, unterblieb eine kritische Überprüfung mit anschließender Veränderung häufig selbst dann, wenn sie die Ursache schlechter Erfahrungen waren. Glaubenssätze steuern das persönliche Gefühlsleben, deswegen zerstören untaugliche Überzeugungen das seelische Wohlbefinden. Dieses möchte ich an einem Beispiel verdeutlichen. Wem als Kind eingeredet wurde "Du bist ein wertloser Taugenichts" und wer diese destruktive Überzeugung bis hinein ins hohe Erwachsenenalter stillschweigend für zutreffend hält, wird niemals ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln. Wer solche Gedanken akzeptiert hat und nicht auslöscht, wird mit schmerzhaften seelischen Störungen darauf reagieren. Aber es ist überhaupt kein Problem von einem schüchternen Mauerblümchen zu einem selbstsicheren und selbstbewussten Menschen zu werden. Um das zu erreichen muss man lediglich das Denken und die Glaubenssätze über sich selbst dahingehend verändern. Eine solche krasse Wandlung habe ich selbst durchgemacht. Ich habe mich von einem schüchternen und unsicheren Menschen zu einer selbstsicheren Persönlichkeit verändert - allein durch Veränderung meiner Glaubenssätze über mich. Leider gehören diese Kenntnisse noch nicht zum Allgemeinwissen.


So wie die Gedanken sind, so ist auch der Charakter; denn die Seele wird von den Gedanken geprägt.       Mark Aurel, römischer Kaiser und Philosoph


Psychische Probleme mit der eigenen Person können ebenso dann entstehen, wenn die eigene körperliche Beschaffenheit vermeintlich zu sehr von einem gesellschaftlichen Ideal abweicht und dieses dann zu Gefühlen der Minderwertigkeit führt. Wer nicht gelernt hat, sich vorbehaltlos so zu akzeptieren, wie man gerade ist, und sich zudem noch ständig mit scheinbar erstrebenswerten, aber zugleich unerreichbaren Idealbildern vergleicht, untergräbt das Vertrauen in sich selbst und in das eigene Selbstwertgefühl. Akzeptanz der eigenen Person ist jedoch nicht alles, worauf es ankommt. Man muss sich selbst auch lieben. Dies gilt auch dann, wenn man mit einigen Eigenschaften noch nicht zufrieden ist. Diese Mängel sind entweder Bereiche, an denen noch konstruktiv gearbeitet werden muss, oder bei denen die Aufgabe allein darin besteht, sie tolerant hinzunehmen und mit ihnen dauerhaft in Frieden zu leben. Ein wesentlicher Aspekt der Selbstliebe besteht auch darin, sich begangene Fehler selbst verzeihen zu können. Wer außerstande ist, sich selbst zu vergeben, wird sich nie wirklich akzeptieren und lieben können.


Wer sich selbst hasst und verachtet, wird nie einen anderen Menschen lieben können und nie das Glück einer erfüllenden Liebe erfahren.       Hans-Georg Koch, spiritueller Lehrer und LifeCoach